Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kultur

After Karasek

Hellmuth Karasek, das »umtriebige, feinsinnige, provokative Literatur-Genie, die Lichtgestalt des Deutschen Literaturbetriebes« (BILD) ist tot. Wer erzählt uns jetzt Witze, da der »begnadete Witzerzähler« (NDR Kultur) nicht mehr ist, er, der seine lebenslange Begeisterung für das »Volksgut« Witz damit erklärte, dass er, der Witz, und »sei’s der ranzigste aus der Herrenrundeabteilung« (Jürgen Roth), »sein Türöffner in die Herzen der Frauen« gewesen sei. Wem wird Gremliza (KONKRET), der Karaseks Schreibe bereits 1975 als »Geseire eines Afterschreibers« bezeichnete, nun versuchen, Nachhilfe in Deutsch zu geben? Bei »dem allseits geschätzten Medienkasper Karasek« (Gremliza) aus der Nazi-Eliteschule war – wie wir wissen – die gewissenhafte Nachhilfe völlig für’n After. (JS) Foto: wikimedia.org CC0 1.0 Universal (CC0 1.0)

»Willkommens
kultur« am Münchner Hauptbahnhof

Der Journalist erwidert dem Staatsdiener, er denke gar nicht daran, seine Kamera abzugeben, es herrsche doch wohl noch Pressefreiheit in diesem Land. Der Gesetzeshüter erwidert: »Hier nicht.« Auf die Frage »Wo sind wir denn?« antwortet der Untergebene des CSU-Innenministers Herrmann, der nicht einmal ein ordentliche Polizeiuniform trägt: »Wir sind in Bayern. Und wenn es Ihnen hier nicht passt, können Sie ja wegfahren.«

Polke am Heinrich-Böll-Platz

Von Jürgen Schneider Das Museum Ludwig am Heinrich-Böll-Platz zu Köln zeigt noch bis zum 5.Juli eine großangelegte Retrospektive mit 250 Werken des 2010 gestorbenen Künstlers und Wahl-Kölners Sigmar Polke, die von New York über London an den Rhein gelangte. Der Wahl-Ire Böll hat uns stets verschwiegen, dass es in Ballycastle in der irischen Grafschaft Mayo eine exzellente Kombination aus einem Lebensmittel- & Zeitungsladen und einem Pub mit dem Namen »Polke« gibt. Viel lieber war dem rheinischen Katholen die irische katholische Kirche, die schon zu seinen Zeiten die ihm anvertrauten jungen Gläubigen in Schulen und Heimen traktierte, ausbeutete, quälte. Ein Alibi fand sich immer. Unter dem Titel »Alibis« werden im Ludwig Museum erstmals alle von Sigmar Polke genutzten künstlerischen Medien berücksichtigt. Bekanntlich war vor Polke kein Material sicher, selbst die in Irland wegen der verheerende Folgen zeitigenden Kartoffelfäule Mitte des 19. Jahrhunderts gefürchtete Feldfrucht nicht. Die Kartoffel ziert sein »Kartoffelhaus«. In Polkes Kölner Atelier ging es zuweilen zu wie in einem Chemielabor. Er experimentierte mit Silbernitrat, Lacken, Kunstharz, Schellack, unterschiedlichen Pigmentträgern, Eisenglimmer. Thomas Kapielski, Berliner, Schreiber, …