Aktuell

telegraph #131/132

DEN VERTEIDIGERN DES ABENDLANDES

POSTKAPITALISMUS, DIE „KOMMENDEN AUFSTÄNDE“ UND BILDER EINER „BEFREITEN GESELLSCHAFT“
Wie kann man in dieser heutigen Gesellschaft leben? Wie kann man in ihr überleben? Gibt es heute ein „richtiges Leben im falschen“? Ist ein „Leben in der Revolte“ die Hoffnung oder ein Selbstbetrug? Wo ist der Ausweg?
Von Thomas Klein

IDEOLOGIE IN DER KRISE
Ein ins Extrem getriebener Nationalismus gerät in einem vermeidlichen „Clash of Civilisations“ in Konflikt mit einer extremistisch-religiösen Ideologie. Während der deutsche Nazischläger den Volkskörper von allen artfremden Einflüssen säubern möchte, wird der Salafist von dem manischen Bestreben um die Reinhaltung des religiösen Kultes verzehrt. Es handelt sich bei diesen Kontrahenten um zwei gleichermaßen irre Ideologien, die auf den unverstandenen Krisenprozess mit verstärkter Identitätsproduktion, mit einer erzreaktionären Sehnsucht nach einer herbeihalluzinierten heilen Vergangenheit und dem eliminatorischen Hass auf alles Andersartige reagieren.
Von Tomasz Konicz

SCHWIERIGKEITEN MIT DEM KOLLEKTIV
Kollektivismus ist eine zweischneidige Angelegenheit. Der des Ersten Weltkriegs führte zu Volksgemeinschaftsfaschismus, auf der anderen Seite jedoch auch zur großen kollektiven Umverteilung von unten in der Russischen Revolution, die sich in bolschewistischen Staatskollektivismus verkehrte. Schrankenloser Individualismus ist dabei kein geeignetes Gegengift.
Von Gerhard Hanloser

„ICH SUCH DIE DDR (UND KEINER WEISS WO SIE IST)“
Ein Interview mit Tina und ihr Trupp, die zur Wende zwischen zwei und 16 Jahre alt waren, über Politisierungsprozesse, Organisierung, Utopien und was die Sozialisation im Osten mit dem Ganzen zu tun hat.

ZWISCHEN MENSCHENMÜLLKIPPE UND WARTERAUM – DER BALKAN NACH DEM ENDE DER JUGOSLAWISCHEN ZERFALLSKRIEGE
30 Jahre nach dem Beginn des Zerfalls der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, 20 Jahre nach dem Ende des Bosnienkrieges und 15 Jahre nach dem Kosovokrieg ist die Lage auf dem Balkan desaströs. Die Hoffnungen auf EU-Beitritt und florierende Wirtschaften sind grundsätzlich gescheitert, wer kann haut ab.
Von Peter Korig

JENSEITS DES DNJESTR
Wer keine Adresse angibt, muss nach 10 Stunden wieder ausreisen. Und damit sind wir tatsächlich am Ziel: in Приднестровье. Also Pridnestrowe bzw. Transdnestrien oder – bekannter, aber die unglücklichste Namenswahl – Transnistrien. Wir – eine Gruppe von Unionern, die schon lange alle zwei Jahre irgendwo in Europa für ein paar Tage Station macht.
Von Susanne Noack

PERMANENTER OKTOBER
Was macht das tägliche Wissen von einer Welt, die an allen Ecken brennt, mit den Wissenden?
Von Robert Mießner

DER TRAUM IST AUS – 25 JAHRE MAINZER STRASSE
Vor 25 Jahren wurden die besetzten Häuser in der Mainzer Straße geräumt
Von Dietmar Wolf

DER FALL BRÜSEWITZ
Lange Zeit galt Oskar Brüsewitz aus Zeitz als Sinnbild des Widerstands in der DDR. Eine intensive Auseinandersetzung mit seiner Biografie beleuchtet die Schattenseiten des Pfarrers.
Von Karsten Krampitz

DER 8. MAI IN WESTDEUTSCHLAND
Der 8. Mai 1945: Befreiung oder Niederlage? Die Bedeutung und Verwendung dieses Datums ist und war stets eine Sache der politischen Betrachtung und das durch die Jahrzehnte, bis Heute. Während in all diesen Jahren seit 1945 in Ostdeutschland stets vom Tag der Befreiung geredet wurde, war in Westdeutschland fast ausschließlich von einer „Niederlage“ die Rede.
Von Helmut Höge

„ICH WENDE MICH AN DEN VERSTAND“
Zum 90. Geburtstag des Dokumentarfilmers Claude Lanzmann
Von Angelika Nguyen

TANZENDE RATTEN AM ABGRUND DER HÖLLE
Dr. Motte mobilisierte zwei Millionen Menschen und die Anti-TTIP-Bewegung schafft nicht einmal ein Zehntel davon. Moment mal. Habe ich diesen letzten Satz gerade gesagt? Oder nur gedacht? Ich schiele zum Typen neben mir und er nuschelt: „Was ist mit Dr. Motte?“ „Nichts. Was soll mit ihm sein?“, sage ich.
Von Jannis Poptrandov

TAXIGESCHICHTEN
YOK fährt Taxi. Mit dem Gegenkulturverlag brachte er das Buch PUNKROCKTARIF heraus, 50 Geschichten über seinen Arbeitsalltag. Auf seiner Website gibt es regelmäßig eine aktuelle Taxigeschichte des Monats. Hier präsentieren wir einige seiner Erlebnisse
Von YOK

HANS-DIETRICH STÜRMT DEN GÄSTEBLOCK
Für fünf vor Zwölf habe ich größenwahnsinnig im Internetforum einen zweiten Treffpunkt auf dem Alexanderplatz bekannt gegeben, um zum Frauenfußballspiel nach Babelsberg zu fahren. Turbine Potsdam gegen Tennis Borussia Berlin, das ostdeutsche Erfolgsmodell gegen die Untergrundfußballerinnen vom Westberliner Schnöselclub.
Von Florian Ludwig

TIERPARKGEDICHT
Von Kai Pohl

„ICH BIN DIE GROSSE FRAGE.“ – ÜBER „EMMY HENNINGS DADA“
Emmy Hennings ist nicht leicht auf die Schliche zu kommen. Mit Kurt Schwitters ließe sich sagen, Hennings war Dada, weil sie durch Dada hindurchgegangen ist.
Von Jürgen Schneider

MEDIALES
Von Jochen Knoblauch

telegraph Sondernummer “8. Mai 2015 – 70 Jahre Tag der Befreiung”

Спасибо! Thank you! Merci! Danke!
Am 8. Mai 1945 beendete der Sieg der Anti-Hitler-Koalition den Zweiten Weltkrieg in Europa. Die Aggression des Deutschen Reiches hatte Millionen Menschen das Leben gekostet. Dabei hatte die Bevölkerung der Sowjetunion über 27 Millionen Tote zu beklagen, in den von deutschen Soldaten besetzten Gebieten, an der Front und im Hinterland.

Jugend vor Monumenten
„Ewiger Ruhm und Ehre den im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Helden“ – so oder ähnlich lauten die Inschriften sowjetischer Ehrenmale, die an die Befreiung vom Faschismus erinnern sollen. Es gibt sie noch: vergessen und verwildert, gepflegt und restauriert, umgesetzt und unverstanden.
Von Jenz Steiner

Befreit von der Last der eigenen Geschichte – 30 Jahre Weizsäcker-Rede zum 8.Mai. Eine Polemik.
Als der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 31. Januar 2015 starb, erinnerten Nachrufe von „junge Welt“ bis „FAZ“ vor allem an die Rede, die er am 8. Mai 1985 im Bundestag gehalten hatte. Unisono klassifizierten sie diese Rede, in der er als erstes westdeutsches Staatsoberhaupt den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung bezeich- nete, als Wendepunkt bundesdeutscher Geschichtsbetrachtung. Dass sie 1985 einen aufsehenerregenden Bruch mit bis dahin geltenden Geschichtsbildern darstellte, zeigt wie sehr Politik und Gesellschaft in der BRD bis weit in die 80er Jahre einem in der NS-Zeit geprägten Denken verhaftet waren. Angesichts des 30. Jahrestages der Rede lohnt es sich durchaus, nochmal einen Blick auf ihren Text zu werfen.
Von Marek Winter

Die Selbstbefreiung von Hohen Neuendorf aus den Erinnerungen von Zeitzeugen
Nach der sowjetischen Winteroffensive stand die Rote Armee Ende Januar 1945 entlang von Oder und Neiße rund 80 Kilometer vor Berlin. Der Krieg ging in die letzte Phase.
Von Dietmar Wolf

telegraph Sondernummer “8. Mai 2015 – 70 Jahre Tag der Befreiung”

telegraph Sondernummer “8. Mai 2015 – 70 Jahre Tag der Befreiung” (PDF)

telegraph #129/130


Editorial

Ostelbier und Westfranken
Es könnte also sein, dass viele Merkmale, die den Ostdeutschen zugeschrieben werden, älterer Provenienz als die DDR sind. Und selbst wenn das nicht stimmt, bleibt doch, dass die Vorurteile gegenüber den Ostdeutschen tiefe Wurzeln haben.
Guillaume Paoli

Mein Verhältnis zur linken antistalinistischen Opposition war ambivalent
24 Jahre nach dem Ende der DDR stellte der telegraph 6 Fragen an Gregor Gysi
Interview mit Gregor Gysi

Ruhm der Ukraine?
Im Kampf gegen das imaginierte und reale Fortleben der Sowjetunion können, von Nazis bis Linksliberale, eigentlich sehr disparate gesellschaftliche Gruppen in der Ukraine eine gemeinsame Plattform finden. Das Problem ist, dass die Bewohner des Donbass als Träger des zu bekämpfenden sowjetischen Prinzips identifiziert werden.
Peter Korig

Fracturing Europe
Im Ukraine-Konflikt spielt „der übliche Verdächtige“ bei internationalen Konflikten eine zentrale Rolle: Amerikanische und europäische Energieunternehmen brauchten für ihre Investitionen dringend ein Assoziierungsabkommen zwischen Europa und der Ukraine. Im nächsten Jahr wollen sie ein Freihandelsabkommen mit Europa erzwingen.
Malte Daniljuk

Kriegspropaganda
Wie die Herrschenden Menschen für den Krieg gewinnen, damit sie bereit sind zu töten und zu sterben.
Thomas Leusink

Globalisierte Barbarei
Ein Versuch, das Phänomen „Islamischer Staat“ zu begreifen. Der IS stellt gewissermaßen ein Nebenprodukt der krisenhaften kapitalistischen Globalisierung dar. Hierbei handelt es sich gerade nicht um eine autochthone, traditionalistische und aus den regionalen Sippenverbänden und „Stämmen“ hervorgegangene Aufstandsbewegung, sondern um eine im höchsten Maße globalisierte Besatzungsarmee.
Tomasz Konicz

Feindbild Geheimdienste – wohl etwas zu simpel
Werden wir alle, durch die Konzentration auf die autoritäre Seite der Macht, auf extreme Ereignisse, blind für die alltäglichen und beständig wirksamen Machtstrukturen?
Wolfgang Kaleck

Von der elektronischen Aufklärung zum elektronischen Krieg
In den letzten Jahren hat es mehrfach sprunghafte qualitative Entwicklungen bei den technischen Möglichkeiten der Aufklärung, Erfassung und Verarbeitung von elektronischen Informationen gegeben. Mit den aktuellen Veröffentlichungen über die sogenannte Ausspähaffäre werden nur einige oberflächliche Erscheinungen einer neuen Qualität des Informationskrieges (Cyber Warfare) publik gemacht. Der Begriff „Cyber Warfare“ steht für „Kriegführung im virtuellen Raum“ (Cyber Space). Damit wurde für die Kriegführung eine fünfte strategische Dimension (nach Land, Luft, See, Weltraum) eröffnet.
Klaus Eichner

Überwachungsstaat oder „wehrhafte Demokratie“
Man sollte nie vergessen, dass, wenn überhaupt, von der Arbeit der Geheimdienste nur die Skandale, Pannen und Rechtsbrüche oder Menschenrechtsverletzungen öffentlich werden, kaum aber ihre Erfolge und konkreten Tätigkeitsprofile – höchstens im Nachhinein. Dies ist der „Normalzustand“ ihrer Existenz.
Thomas Klein

Autonome zu Zeiten der Wende
Wo sind sie geblieben, die Schrecken der Straße und der BILD? Wo kamen sie her und was taten sie in einer Zeit, als bürgerliche Medien noch kein „Links“ davor schrieben. Einer der seit Beginn dabei war, schildert seine subjektiven Erlebnisse.
Hauke Benner

Berliner Mieterdämmerung
Allerorten wurde zum Jahrestag des Mauerfalls der Veränderungen der letzten 25 Jahre gedacht. Auch im Bereich der Stadtentwicklung und Wohnungsversorgung scheint nichts so geblieben zu sein, wie es war.
Andrej Holm

Alle kennen Artek
Kinderparadies und Prestigeobjekt, Kaderschmiede und Flüchtlingslager
Jenz Steiner

DDR-Landwirtschaft heute
Was kam nach der LPG? Und was machten westdeutsche Investoren daraus?
Helmut Höge

Bringt mir den Kopf von Jannis Poptrandov
oder die Logik der Wertschöpfungskette
Jannis Poptrandov

Deklination der TORTOUR
Abriß des allerletzten Revolverblattes in Prenzlauer Berg mit Spott und Hohn im Unterton
Bert Papenfuß

Referendum
Bert Papenfuß

Wattgetrappel & Seebadflattern
Kai Pohl

Ein Lachen wird es sein, das Euch beerdigt!
Zum Tod des Verlegers, Autors und Berliner Originals Bernd Kramer (22.1.1940 – 5.9.2014)
Jochen Knoblauch

Mediales
Jochen Knoblauch