Alle Artikel mit dem Schlagwort: Film

Auf der Jagd nach dem Kaddisch

„Son Of Saul“, Regie: László Nemes, Ungarn 2015

Von Angelika Nguyen

Oktober 1944. Vogelzwitschern, in der Unschärfe eine Wiese mit Menschen. Aus dem Nebel weicher Konturen nähert sich eine Gestalt der Kamera, bis sie nah in der Schärfe landet: Die Hauptfigur des Films, Saul Ausländer…

Geschichten aus der Krise

Nur eine kleine Nachricht im Januar 2016 ist die Information noch wert, dass gegenwärtig ein Drittel der Menschen in Griechenland ohne Krankenversicherung leben, weil sie schon länger erwerbslos sind. Seit 2010 tobt die Krise in Griechenland, frisst sich durch die Haushalte und kleinen Ersparnisse, durch die Familien, die Beziehungen, die Lebensläufe. Wie geht es den Menschen da in Griechenland heute, was empfinden sie, was denken sie, worüber streiten und unterhalten sie sich, was können sie noch essen, was können sie noch bezahlen, wohin noch flüchten? Wie sehen ihre Träume aus und ihre Albträume?

Vater ist in Korea

Ja, es geht um Verliebtheit, um Liebe, Heiratspläne und Trennungsschmerz. Also so weit ganz normal. Nur, dass hier die Trennungen nicht durch die Paare selbst veranlasst wurden, sondern von der Weltgeschichte. Es geht um das Schicksal von koreanisch-deutschen Familien, die die Solidarität sozialistischer Bruderländer überhaupt erst zusammen gebracht, bevor die Spaltung des sozialistischen Lagers sie dann wieder getrennt hatte.

Kinderwünsche, Wohnungssuche und ein Flüchtlingscamp von innen

Rückblick auf das „achtung berlin“- Filmfestival (15. – 22.4.2015) Von Angelika Nguyen Das Berlin-Film-Festival fand zum 11. Mal statt und erfreut sich wachsender Aufmerksamkeit. Filme mit jeglichem Berlin-Bezug werden hier gezeigt: Berlin als Ort der Handlung oder Wohnort von Filmemacherinnen und Filmemachern, als Fluchtort oder Produktionsstätte, Geburtsstadt oder Heimat: Hauptsache, es kommt irgendwie Berlin vor. Abendfüllende Spielfilme und Dokumentarfilme sind im Programm, mittellange – ca. einstündige – und kurze Filme. Mit „Notes of Berlin“ nahm gar ein Film teil, der noch gar keiner ist, sondern mit Hilfe des Festivals einer werden soll. Blogadaption nennt sich das, denn im Blog „Notes of Berlin“ posten seit Jahren Leute die berühmten Zettel in der direkten Öffentlichkeit, Notizen an Bäumen und Haltestellen, die alle kennen: Suche nach Wohnungen, verlorenen Katzen und dem netten Mann von neulich in der S-Bahn, Danksagungen, Computerreparatur und Tanzunterricht. Die Geschichten, die in diesen Zetteln stecken, sollen verfilmt werden in einem Episoden-Film – eine schöne Idee, der man Glück wünscht. Indessen war der Film, der in der Pressekonferenz groß angekündigt wurde, eine Enttäuschung: „Lichtgestalten“ lief …