Alle Artikel in: Osten

telegraph 1/1989 (#01), vom 9.10.1989

Safe the date – 30 Jahre Zeitschrift telegraph – Fest am 11. Oktober 2019

Mit Beginn der revolutionären Phase in der DDR im September 1989 und einem damit verbundenen erhöhten Informationsaufkommen stellte sich der zweimonatliche Erscheinungsrhythmus der seit 1987 im Samisdat von der Ostberliner Umwelt-Bibliothek herausgegebenen größten und wichtigsten DDR-Oppositionszeitschrift Umweltblätter als zu schwerfällig dar. Ein schnelleres Medium musste her. Die Redakteure der Umweltblätter riefen befreundete Kollegen der Samisdat-Blätter Friedrichsfelder Feuermelder, Grenzfall, Kontext und Antifa-Infoblatt-Ostberlin zur Mitarbeit auf. Das war die Geburtsstunde des telegraph. Die Nummer 1 erschien am 10. Oktober 1989, die Jahrgangsnummerierung der Umweltblätter wurde darin fortgeführt. Bis zum Ende des Umbruchs in der DDR war der telegraph einer der wenigen unabhängigen Berichterstatter. Ob als „Nachfolgezeitschrift der Umweltblätter“, ob „Behörden- und Unternehmerunfreundlich“, ob „Ostdeutsche Zeitschrift“ oder als „telegraph“ – seit dem Herbst 1989 und bis heute dokumentieren, kritisieren, diskutieren wir aus einer konsequent unabhängigen, ostdeutschen und linken Perspektive die politischen, sozialen, revolutionären, kriegerischen Erscheinungen, Ereignisse, Entwicklungen: im Osten, in der BRD und in der Welt. Wir sind das letzte existierende Samisdat der DDR-Opposition – und wir werden 30 Jahre alt. Das wollen wir gemeinsam feiern und wir laden Dich / Euch herzlich dazu …

telegraph #133/134 erschienen

Wer sich umsieht, dem wird mulmig. Die gute Stimmung ist verflogen. Das „Ende der Geschichte“ liegt lange zurück. Selbst die standhaftesten Apologeten von Fukuyamas These des Verschwindens der weltpolitischen Widersprüche nach dem Zusammenbruch des „Realsozialismus“ anerkennen inzwischen die zentrifugalen Kräfte des obsiegenden Weltkapitalismus. Die Geschichte fängt gerade erst richtig an…

Karl-Marx-Stadt

Liebe westdeutsche Freund/innen,

Der Osten ist auch 30 Jahre nach dem Ende der DDR anders geblieben, als ihr Euch das vorstellt. Es ist Zeit, jenseits der Medienkonjunktur der Frage: „Was ist da im Osten los?“ zu verstehen, was hier passiert. Chemnitz war für die vereinigte Rechte der Vorschein eines rechten Umsturzes, der aus dem Osten kommen soll.  Daraus gilt es zu lernen.

Von David Begrich

Stasischuld und Sühne

„Gundermann“, Spielfilm, Dt.2018, Regie: Andreas Dresen

Von Angelika Nguyen

Die erste Szene spielt 1992. Gundermann sitzt im Wohnzimmer und singt das anrührende Lied von Vater und Mutter und Zuckerbrot, dazu Gitarre. Es ist ein Vorsingen, Gundermann sucht eine neue Band, fünf Leute hören ihm zu, wie er über seine Kindheit singt, seine Ost-Kindheit.