Das Programmheft zum telegraph Release #131/132 _ 2015/2016
im telegraph Archiv, als PDF zum downloaden.
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Am 8. Dezember 2015, um 20 Uhr präsentieren wir den neuen telegraph in der Kultur- und Schankwirtschaft BAIZ
von Dietmar Wolf – Vor 25 Jahren wurden die besetzten Häuser in der Mainzer Straße geräumt
Vorveröffentlichung aus im Dezember 2015 erscheinenden telegraph Nr. 131_132
„Nach der Anarchie ist der erste Akt des neuen Deutschlands,
Utopie zu zerschlagen. Und zwar mit massiver militärischer Gewalt.“
(Thomas Heise)
von Jürgen Schneider Der Ex-Biermösl Hans Well hat mit seinen Kindern die zweite CD vorgelegt. Diese Mir-san-mir-Blosn nennt sich Wellbappn, und der CD-Titel lautet »Schneller«. Wellbappn schont niemanden und nichts, Konfektionsgeschnatter ist deren Sache nicht, und die Liadl sind nicht immer unbedingt von politischer Korrektheit geprägt, wie sie so mancher protestantische Preiss einfordert. Zu einer heiteren bayrisch-fundamentalfolkloristischen Melodie macht sich die Familiencombo in ihrem ›Maut-Epos‹ lustig über die Stammtischpolterer der CSU, über »Seehofer und seine Doofbrindt-Buam«, die glaubten, die Eurobürger/innen mit ihrer Maut, einem typischen Produkt von Gehirnmauke, schröpfen zu können. In ›Hoeness-Passion‹ lässt Wellbappn den zu Haft verurteilten Wurst-, Fleisch- und Fußballmanager, dessen ganzes Streben selbstverständlich dem Wohl des FC Bayern gegolten hat, tönen: »Aba wart’s no, ihr neidigen Brüder, das wars noch nicht, ich komme wieder / i zahls eich z’rück, es Drecksbagasch – i bin net nachtragend, doch des gibt a Revasch.« Von einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Fuaßball-Match der »F-Schüler Hausen gegen Riad« handelt das Lied ›Freundschaftsspiel‹. Angefeuert von seiner Mama – »Geh weita, Kevin, lass da nix gfoin und …
Die Buchmesse in Frankfurt am Main hat wieder mal geöffnet und kommt mit einer Flut neuer Bücher daher, von denen ich persönlich vermutlich 99% für Papierverschwendung halte, aber was soll’s: Ein Affenzirkus, getarnt als Klassentreffen. Und angeblich soll das Ganze auch noch „politisch“ sein. Die Frankfurter Buchmesse ist und war so politisch wie ein Kaffeekränzchen eben nur sein kann – nämlich gar nicht. Aber das nur unter uns.
Ein Vorleseabend zum 25. Jahrestag der Räumung der Mainzer Straße (mit filmischer Einstimmung)
Hellmuth Karasek, das »umtriebige, feinsinnige, provokative Literatur-Genie, die Lichtgestalt des Deutschen Literaturbetriebes« (BILD) ist tot. Wer erzählt uns jetzt Witze, da der »begnadete Witzerzähler« (NDR Kultur) nicht mehr ist, er, der seine lebenslange Begeisterung für das »Volksgut« Witz damit erklärte, dass er, der Witz, und »sei’s der ranzigste aus der Herrenrundeabteilung« (Jürgen Roth), »sein Türöffner in die Herzen der Frauen« gewesen sei. Wem wird Gremliza (KONKRET), der Karaseks Schreibe bereits 1975 als »Geseire eines Afterschreibers« bezeichnete, nun versuchen, Nachhilfe in Deutsch zu geben? Bei »dem allseits geschätzten Medienkasper Karasek« (Gremliza) aus der Nazi-Eliteschule war – wie wir wissen – die gewissenhafte Nachhilfe völlig für’n After. (JS) Foto: wikimedia.org CC0 1.0 Universal (CC0 1.0)
Dass der Mythos des Prenzlauer Bergs eben genau nur noch ein Mythos ist, sollte mittlerweile auch dem letzten Menschen mit klarem Verstand aufgefallen sein.
Der Journalist erwidert dem Staatsdiener, er denke gar nicht daran, seine Kamera abzugeben, es herrsche doch wohl noch Pressefreiheit in diesem Land. Der Gesetzeshüter erwidert: »Hier nicht.« Auf die Frage »Wo sind wir denn?« antwortet der Untergebene des CSU-Innenministers Herrmann, der nicht einmal ein ordentliche Polizeiuniform trägt: »Wir sind in Bayern. Und wenn es Ihnen hier nicht passt, können Sie ja wegfahren.«
Dieser Tage ist John Giorno neben 14 weiteren Autor/inn/en bei »Sprachsalz« zu erleben, bei den Internationalen Literaturtagen in Hall, Tirol.