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Wer braucht ein grünes Gleitmittel?

Wer braucht ein grünes Gleitmittel?

von Jürgen Schneider „Stuttgart 21 ist kein Rückbau, sondern gegenüber dem heutigen Kopfbahnhof ein Zuwachs“ – mit dieser Aussage hat der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn von den Grünen am Mittwoch das Bahnprojekt gegen Angriffe der S21-Gegner verteidigt. Was Stadt, Region und Land an Ausbaumaßnahmen für die Schieneninfrastruktur untersuchten, seien „keine Reparaturmaßnahmen“ für Stuttgart 21. Es gehe um „Erweiterung oder zusätzlichen Ausbau“, so der einst vehemente Projektgegner Kuhn. Aus dem Regionalpakt mit den Partnern Land, Region und Landkreisen gebe es für ihn, so der OB, den Auftrag, Stuttgart 21 „zu optimieren und zu verbessern“. Noch vor fünf Wochen, als Kuhn der Grundsteinlegung für den neuen Bahnhof fernblieb, hieß es im „Spiegel“: „Zu Stuttgart 21 wahrten die Grünen auch als selbsternannte neue Wirtschaftspartei stets Abstand.“ Wenn es je so gewesen sein sollte, dank Kuhn ist damit nun endgültig Schluß. Sein grüner Parteikollege Kretschmann, der Ministerpräsident Baden-Württembergs, hatte vor der Grundsteinlegung betont: „Die Landesregierung ist vertraglich dazu verpflichtet, dieses Projekt zu unterstützen.“ Bereits im Dezember 2014 sagte der Theaterregisseur Volker Lösch bei der 250. Montagsdemo gegen Stuttgart 21, der …

Ausstellungs-
eröffnung und Film

Ausstellungseröffnung: Fotografien des Frontkameramanns Jewgeni Chaldej aus der Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimme.

Jewgeni Ananjewitsch Chaldej (1917 – 1997) hat als Kriegsreporter Bilder geschaffen, die weltberühmt wurden. Der Rotarmist, der die Fahne auf dem Berliner Reichstag hisst, gehört zu diesen Motiven. Der TASS-Fotograf war von 1941 bis 1945 an der Front, dokumentierte den Vormarsch der Sowjetarmee und die Eroberung Berlins, war Bildberichterstatter der Potsdamer Konferenz und der Nürnberger Prozesse. Doch er geriet in Vergessenheit. Erst kurz vor seinem Tode wurde Chaldej wiederentdeckt und gilt inzwischen weltweit als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

telegraph Nr. 129/130

Editorial

Einmal mehr feierte der bundesdeutsche Mainstream neben der Deutschen Einheit den „Fall der Mauer“ als Höhepunkt der „deutschen Revolution“. Die Erinnerung jedoch, dass während der revolutionären Ereignisse im Herbst 1989 niemand wirklich für den Abriss der Mauer auf die Straße ging, sondern für Demokratie und einen echten Sozialismus, konnte nach 25 Jahren noch nicht aus allen Köpfen gedrängt werden. Was heute klarer ist: Der Versuch eines „Sozialismus mit menschlichen Antlitz“ musste scheitern, weil der Versuch des Nominalsozialismus längst gescheitert war. Bis zur friedlichen Übergabe der Macht an die gewählte bürgerliche Regierung gelang es nicht, eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus, eine Gesellschaft frei von Ausbeutung zu erkämpfen.